Eine Freiwillige der NGO AVEC im Büro in Battambang

Langfristiger Einsatz vor Ort · Battambang, Kambodscha

Sentinelle werden heisst, mit dem Team von AVEC zu leben

Mindestens drei Monate in Battambang, an der Seite von Theavy Bun und dem lokalen Team. Eine klar umrissene Mission, eine unterzeichnete Schutzcharta, mitgebrachte Fachkompetenz. Der anspruchsvollste Status bei AVEC, gewählt von jenen, die sich nachhaltig und in unmittelbarer Nähe der Kinder engagieren wollen.

Eine Sentinelle ist keine gewöhnliche humanitäre Freiwillige

Das Wort Sentinelle ist bei AVEC kein schmückender Titel. Es bezeichnet ein klar umrissenes, begleitetes Engagement, das sich grundlegend vom humanitären Tourismus unterscheidet, der seit zwanzig Jahren in ganz Südostasien grassiert. Die Sentinellen von AVEC kommen nicht für sich selbst. Sie kommen, weil AVEC eine bestimmte Kompetenz braucht, und zwar über einen Zeitraum, der lang genug ist, um bei den aufgenommenen Kindern eine echte Wirkung zu erzielen.

Diese Anforderung ist bewusst gewählt. Sie schützt die Kinder vor kurzen Aufenthalten, die eine Bindung schaffen und sie dann wieder verlassen. Sie schützt den Verein vor dem Kräfteverschleiss, den der Empfang unvorbereiteter Besucherinnen und Besucher bedeutet. Sie schützt die Freiwilligen selbst vor der Frustration, ohne Rahmen anzukommen und ohne Beitrag wieder abzureisen. Die Regel der mindestens drei Monate ist keine administrative Formalität, sondern die Schwelle, unterhalb derer eine humanitäre Präsenz der ankommenden Person mehr nützt als jenen, denen sie zu dienen vorgibt.

Die Sentinelle-Charta: drei nicht verhandelbare Verpflichtungen

Jede Sentinelle unterzeichnet die Kinderschutzcharta von AVEC vor ihrer Ankunft in Battambang. Drei Grundsätze strukturieren dieses Dokument, und jeder hat einen konkreten Grund, zu bestehen.

Erste Verpflichtung

Absoluter Schutz der Kinder

Kein unbegleiteter Einzelkontakt, kein Foto eines Kindes ohne schriftliche Genehmigung des Teams und der gesetzlichen Vertretung, keine direkte Kommunikation über soziale Netzwerke mit den Kindern während oder nach dem Einsatz, ein einwandfreier Strafregisterauszug vor der Abreise, Unterzeichnung des Schutzprotokolls für den Umgang zwischen Erwachsenen und Kindern, das jede Interaktion im Refugium regelt.

Zweite Verpflichtung

Unterstellung unter das Team vor Ort

Die Sentinelle wird in das AVEC-Team unter der operativen Leitung von Theavy Bun und Patrik Roux eingegliedert. Keine Alleingänge, keine Parallelprogramme, keine einseitigen Entscheidungen über die Kinder. Die Mission wird bei der Ankunft festgelegt und jede Woche mit der zuständigen Bezugsperson überprüft.

Dritte Verpflichtung

Finanzielle Eigenständigkeit

Reise, Unterkunft vor Ort, Visum, Krankenversicherung und persönliche Kosten trägt die Sentinelle selbst. AVEC verrechnet keinerlei Einsatzgebühren und finanziert sich nie über die Freiwilligen. Diese finanzielle Eigenständigkeit stellt sicher, dass jeder gesammelte Franken den Kindern zugutekommt, und wahrt die Unabhängigkeit der Sentinelle.

Das gesuchte Profil

AVEC sucht keine zusätzlichen Hände, sondern gezielte Kompetenzen für klar definierte Einsätze. Die Auswahl ist bewusst eng gefasst, denn eine schlecht passende Sentinelle schadet dem Team vor Ort mehr, als sie nützt.

  • Mindestens Bachelor-Abschluss oder gleichwertige Berufserfahrung. Eine Sentinelle bringt eine Fachkompetenz mit, sie kommt nicht, um sie zu erwerben.
  • Mindestens drei Monate ununterbrochen verfügbar in Battambang, höchstens sechs Monate ohne Pause. Die meisten Sentinellen bleiben drei bis sechs Monate vor Ort.
  • Fliessendes Englisch, Französisch ist von Vorteil für den Austausch mit der Leitung. Khmer lernt man vor Ort, es nicht zu sprechen, ist nie ein Hindernis.
  • Einwandfreier Strafregisterauszug und die Fähigkeit, ein aktuelles offizielles Dokument auf Französisch oder Englisch vorzulegen.
  • Anpassungsfähigkeit an einen ländlichen Alltag, an die tropische Hitze, an Stromausfälle, an ständige Unwägbarkeiten. Battambang ist weder Bangkok noch Phnom Penh: Die Provinz hat ihren eigenen Rhythmus und ihre eigene Rauheit.
  • Emotionale Stabilität gegenüber verletzten Kindheitsgeschichten, der Frustration langsamer Fortschritte und der Einsamkeit eines mehrmonatigen Lebens im Ausland.

Wenn eines dieser Kriterien Sie zögern lässt, ist das kein Problem. Die anderen Formen des Engagements bei AVEC, die Voix d’AVEC in der Schweiz und die Relais aus der Ferne, stehen einem breiteren Kreis offen, für ebenso nützliche Einsätze, ohne Ihren Alltag einzuschränken.

Drei aktuell offene Einsätze

Jeder Einsatz wird im Voraus mit einem klaren Ziel, einem definierten Ergebnis und einer eigenen Bezugsperson festgelegt. Keine Beschäftigungstherapie, keine erfundenen Aufgaben, nur um Sie zu beschäftigen.

Einsatz vor Ort Nr. 1

Ausbildung und Pädagogik

Englisch- oder Informatikunterricht im Ausbildungszentrum (1 454 Lernende im Jahr 2025), Begleitung der Erzieherinnen des Kindergartens, abendliche schulische Unterstützung für die Kinder des Refugiums, pädagogische Weiterbildung der lokalen Ausbildnerinnen und Ausbildner. Profil: Lehrperson oder professionelle Ausbildnerin bzw. Ausbildner.

Einsatz vor Ort Nr. 2

Digitale Kommunikation vor Ort

Erstellung von Inhalten aus Battambang (Fotos vor Ort unter strikter Einhaltung der Charta, kurze Videos, schriftliche Zeugnisse), Betreuung der Social-Media-Konten von AVEC, Aufbau einer Bildbibliothek für Berichte und Mittelbeschaffungsanfragen. Profil: Journalistin bzw. Journalist, Content-Erstellerin bzw. -Ersteller oder erfahrene Community-Managerin bzw. erfahrener Community-Manager.

Einsatz vor Ort Nr. 3

Psychosoziale Begleitung

Unterstützung des Erzieherinnenteams des Refugiums, Vermittlung bei den Jugendlichen, individuelle Begleitung der Stipendiatinnen beim Übergang in die Selbstständigkeit, Leitung von Gruppenworkshops (Selbstwertgefühl, Alltag, Berufsprojekt). Profil: Psychologin bzw. Psychologe, Sozialarbeiterin bzw. Sozialarbeiter, Fachperson für sozialpädagogische Betreuung.

Weitere Einsätze nach Dossierprüfung: Allgemeinmedizinerin bzw. Allgemeinmediziner, Pflegefachperson, Buchhalterin bzw. Buchhalter, Architektin bzw. Architekt (Erweiterung des Refugiums), Verantwortliche bzw. Verantwortlicher für die pädagogische Küche. Falls Ihre Fachkompetenz hier nicht aufgeführt ist, schreiben Sie uns trotzdem: Wir finden regelmässig massgeschneiderte Einsätze.

Wie ein Sentinelle-Einsatz abläuft

1

Vorbewerbung

Kurze E-Mail an Patrik Roux: Vorname, angestrebter Einsatz, Verfügbarkeitszeitraum, Motivation in fünfzig Worten. Drei Minuten genügen. Innert einer Woche erhalten Sie die Liste der Unterlagen für das vollständige Dossier.

2

Dossier und Gespräch

Lebenslauf, ausführliches Motivationsschreiben, zwei berufliche Referenzen, Strafregisterauszug. Videogespräch mit Patrik und der Bezugsperson vor Ort für Ihren Einsatz. Entscheid innert drei Wochen, Ja oder Nein, in jedem Fall mit einer begründeten Rückmeldung.

3

Vorbereitung auf die Abreise

Unterzeichnung der Sentinelle-Charta, ausführliches Briefing zum Einsatz, Vermittlung des Kontakts zu einer ehemaligen Sentinelle für praktische Fragen, Visums- und Versicherungsformalitäten. AVEC begleitet Sie dabei, erledigt die Formalitäten aber nicht für Sie.

4

Ankunft und Eingliederung

Empfang in Battambang durch das Team, Vorstellung bei den Kindern und den Ausbildnerinnen und Ausbildnern, erste Woche als Beobachtung, um den Alltag des Refugiums und des Ausbildungszentrums kennenzulernen. Wöchentlicher Austausch mit Ihrer Bezugsperson, die während des gesamten Einsatzes zur wichtigsten Ansprechperson wird.

5

Einsatz und Ergebnisse

Sie führen den Einsatz so durch, wie er bei der Ankunft festgelegt wurde, unter der Leitung von Theavy Bun und mit der wöchentlichen Unterstützung Ihrer Bezugsperson. Ein formalisiertes Ergebnis zur Halbzeit und am Ende des Einsatzes, dokumentierte Übergabe an das ständige Team, Abschlussgespräch mit Patrik.

6

Rückkehr und dauerhafte Verbindungen

Viele Sentinellen werden anschliessend Voix in ihrer Region oder übernehmen als Relais aus der Ferne punktuelle Einsätze. Das Netzwerk der ehemaligen Sentinellen trifft sich ein- bis zweimal pro Jahr in der Schweiz. Sie verlassen AVEC am Ende Ihres Einsatzes nicht wirklich.

Erfahrungsberichte ehemaliger Sentinellen

Was sie nach ihrer Rückkehr sagen

«Ich kam nach Battambang, überzeugt davon, etwas beizutragen. Drei Monate später verstand ich, dass ich vor allem selbst etwas erhalten hatte. Die Kinder des Refugiums haben mich gelehrt, langsamer zu werden, auf das zu hören, was ohne Worte gesagt wird, und zu akzeptieren, dass die Dinge die Zeit brauchen, die sie brauchen. Mein Einsatz in der pädagogischen Ausbildung war nützlich, das weiss ich. Aber was mir bleibt, ist die innere Veränderung.»

Weitere Erfahrungsberichte werden hier im Verlauf der nächsten Einsätze veröffentlicht. Um sich vor einer Bewerbung direkt mit einer ehemaligen Sentinelle auszutauschen, schreiben Sie an Patrik Roux, der den Kontakt herstellt.

Häufige Fragen vor der Bewerbung

Was kostet ein Sentinelle-Einsatz für die Freiwillige oder den Freiwilligen?

Rechnen Sie mit 2 500 bis 4 500 CHF für drei Monate, Flugticket inbegriffen, je nach Komfortniveau bei der Unterkunft. AVEC kann für längere Einsätze die Unterbringung bei einem Teammitglied erleichtern, was den Posten Unterkunft deutlich reduziert. Eine internationale Sozialversicherung und eine Rückreiseversicherung sind obligatorisch, rechnen Sie mit etwa 80 bis 120 CHF pro Monat.

Kann ich als Paar oder mit der Familie kommen?

Als Paar ja, sofern beide Personen je einen klar definierten Einsatz haben (keine mitreisende Partnerin oder kein mitreisender Partner ohne eigenen Einsatz). Mit Familie und Kindern ist dies seltener und wird von Fall zu Fall mit dem Team vor Ort geprüft. Die Aufnahmekapazität bleibt begrenzt, und individuelle Einsätze haben Vorrang.

Und wie steht es um die Sicherheit nach dem Grenzkonflikt Ende 2025?

Die thailändisch-kambodschanische Grenze steht seit Ende 2025 unter Waffenstillstand. Battambang liegt einige Dutzend Kilometer von der Zone entfernt, doch der Alltag ist dort wieder normal geworden. AVEC führt seine Aktivitäten seit Beginn des Konflikts ohne Unterbruch weiter. Jeder Sentinelle wird bei ihrer Bewerbung eine aktuelle Lagebeurteilung mitgeteilt.

Wie unterscheidet sich ein Einsatz bei AVEC von einem Freiwilligeneinsatz bei einer anderen NGO?

Drei wesentliche Unterschiede. Erstens die Auswahl am Eingang: AVEC lehnt rund drei Viertel der Bewerbungen ab, was in diesem Bereich selten ist. Zweitens das völlige Fehlen einer Tarifierung: AVEC verkauft keine Einsatzplätze, im Gegensatz zu den kommerziellen «Voluntourismus»-Programmen. Drittens die Eingliederung in das feste Team: Die Sentinelle ist keine Besucherin, sondern vorübergehend Mitglied der Organisation.

Wenn ich nicht drei Monate weg kann, ist das endgültig?

Für den Status Sentinelle ja. Die Regel der mindestens drei Monate dient dem Schutz und lässt keine Ausnahme zu. Die beiden anderen Formen des Engagements, Voix d’AVEC in der Schweiz und Relais aus der Ferne, stehen jedoch für deutlich flexiblere Einsätze offen, vom Flyer-Verteilen an einem Samstag bis zu mehreren Tagen pro Monat an beruflichem Kompetenz-Sponsoring. Viele künftige Sentinellen beginnen genau dort.

Erkennen Sie sich in dieser Beschreibung wieder? Schreiben Sie uns Ihre Vorbewerbung.

Prêt à proposer votre candidature?

Quatre champs, trois minutes, une première réponse sous une semaine. C’est la première marche.

Vous voulez d’abord vérifier les règles du jeu? Lisez la charte des Sentinelles.